Zitate von Sahra Wagenknecht

Heimat

„Heimat ist doch kein rechter Begriff. Heimat ist etwas ganz Existenzielles. Menschen möchten in einem Umfeld leben, wo sie sich geborgen und sicher fühlen. Menschen zu zwingen, immer mobil zu sein, ständig umzuziehen, ihren Freundeskreis zu verlieren, ist eine fatale Entwicklung. Die Verteidigung des Rechts auf Heimat hat nicht primär etwas mit Zuwanderung zu tun. Sondern damit, dass wir wieder mehr Stabilität im Leben brauchen. Diese Unsicherheit, diese Beschleunigung, diese Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch die Zerstörung von gewachsenen Strukturen, nehmen Sie kleine Cafés oder alte Tante-Emma-Läden, die von großen Ketten verdrängt werden – das ist eine Uniformierung und Verarmung der Innenstädte. Das gehört alles für mich zum Begriff Heimat dazu.“

Migration

„Offene Grenzen für alle ist weltfremd. Und wenn das Kernanliegen linker Politik ist, die Benachteiligten zu vertreten, dann ist die no-border-Position auch das Gegenteil von links. Alle Erfolge bei der Bändigung und Regulierung des Kapitalismus wurde innerhalb einzelner Staaten erkämpft, und Staaten haben Grenzen. Arbeitsmigration bedeutet zunehmende Konkurrenz um Jobs, gerade im Niedriglohnsektor. Dass Betroffene davor Angst haben, ist verständlich. Es gibt auch nicht unbegrenzt Wohnungen, schon gar nicht bezahlbare. Menschen, die verfolgt werden, brauchen Schutz. Dafür ist das Asylrecht da, und das darf nicht ausgehöhlt werden. Aber wer den Fachkräftemangel überwinden will, sollte lieber mehr Geld in unser Bildungssystem investieren.“

Kriege des Westens

„Es sind Interessen, die dahinter stehen. Es sind nicht die Interessen von grossen Teilen der Bevölkerung der USA oder Deutschland, sondern die Interessen der wirtschaftlich Mächtigen und vor allem bestimmter Wirtschaftskreise, die sich mit Kriegen eine goldene Nase verdienen. Etwas, was sich für die Reichen, die Oligarchen und die Mächtigen massiv auszahlt. Wir sind ja gewohnt, dass wenn von Oligarchen die Rede ist, es immer Russland gemeint wird. Aber der ehemalige US-Präsident Carter hat gesagt, was sind die USA? Es ist eine korrupte Oligarchie. Es ist auch in Deutschland so, dass Leute mit sehr viel Geld Politik beeinflussen können und sich Politik kaufen können. Die Nato ist pure Heuchelei. Mit der Nato können die USA ihre Forderungen durchsetzen. Während die Nato-Staaten fast eine Billion Euro in Rüstung investieren, gibt Russland dafür 66 Milliarden Euro aus. Es ist eine Beleidigung unserer Intelligenz, wenn behauptet wird, dass Russland uns überfallen will.“

Russland

„Wir wollen das Verhältnis zu Russland verbessern. Wir wollen, dass es wieder eine Anknüpfung an die Tradition der Entspannungspolitik gibt, eine Politik der guten Nachbarschaft. Das bedeutet, gegenseitig seine Interessen ernst zunehmen und gegenseitig zu akzeptieren, dass man legitime Interessen hat. Europa und Russland haben eine Geschichte, das kann man nicht wegwischen. Und Russland ist immer wieder Opfer von Überfällen und Kriegen geworden, nicht zuletzt und am schlimmsten im zweiten Weltkrieg durch Deutschland. Deswegen kann ich gut verstehen, dass wenn inzwischen wieder deutsche Soldaten an der russischen Grenze stehen, viele Menschen das als Bedrohung empfinden. Das wollen wir nicht, wir wollen Frieden in Europa und Frieden gibt es nur mit Russland und nicht gegen Russland.“

Arm und Reich

„Eine stärkere Besteuerung von Multimillionären finden manche unzumutbar? Wie bitte? Ich finde es unzumutbar, dass ein Monatslohn von 1200 Euro überhaupt besteuert wird. Ich finde es unzumutbar, dass viele Renten so mies sind, dass alte Menschen Pfandflaschen sammeln oder weiter arbeiten müssen. Ich finde es unzumutbar, dass viele Alleinerziehende nicht genug Geld haben, um wenigstens einmal im Jahr mit ihren Kindern Urlaub zu machen. Ich denke, wir sollten den Ärmeren weniger und den Superreichen dafür mehr zumuten. Wir brauchen eine Politik für Millionen Menschen, nicht für Millionäre!“

Feudalismus

„Wie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts konzentrieren sich heute in der Verfügung der reichsten 1 Prozent die wichtigsten wirtschaftlichen Ressourcen, nur dass diese neben Agrarland und Immobilien heute vor allem Industrieanlagen, technisches Know-how, digitale und andere Netze, Server, Software, Patente und vieles mehr umfassen. Die Konzernbarone herrschen über die gewählten Regierungen, statt von ihnen regiert zu werden. Das Eigentum an den wirtschaftlichen Schlüsselressourcen wird unverändert nach dem Prinzip der Erblichkeit und der Blutsverwandtschaft von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Seine Erträge werden auch heute in vielen Fällen nahezu steuerfrei eingestrichen und sie ermöglichen einen Lebensstil, wie er aus Arbeitseinkommen niemals erschwinglich wäre. Und erneut arbeiten 99 Prozent der Bevölkerung einen großen Teil ihres Lebens, direkt oder indirekt, für den Reichtum dieses neuen Geldadels.“


Text/Bilder u.a.v. © https://de.sputniknews.com/politik/20190716325447902-wagenknecht-wird-50/

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