Schlimmer ist der taz-Autor

Der Münchner Autor der taz Patrick Gyton bedient in seinem Artikel das westliche Wertegemeinschafts-Milieu mit seiner Hetze gegen den Friedensforscher und Historiker Daniele Ganser. Er meint, der Applaus sei ihm gewiss. Eine passende Antwort darauf hat Tom Wellbrock.

Die taz und Daniele Ganser: Dümmer als das Publikum

Wenn Patrick Guyton, freier Autor bei der taz, der Süddeutschen Zeitung, der Badischen Zeitung und bei Cicero Online, in seinem Teaser für einen taz-Artikel namens „Schlimmer ist das Publikum“ schreibt, dass Daniele Ganser sein Publikum mit „allerlei 9/11-Geraune“ bediene und ihm bei eben diesem der Applaus „gewiss“ sei, horcht der Leser auf. Wenn er dann weiterliest, schläft er ein. Oder wird wütend. Oder guckt sich eine Zeichentrickserie an, die aller Wahrscheinlichkeit origineller sein dürfte.

Es geht – natürlich – einmal mehr um 9/11. Aber irgendwie auch wieder nicht, denn Patrick Guyton scheint über diesen Anschlag wenig bis gar nichts zu wissen. Und wenn es anders sein sollte, versteckt er dieses Wissen ausgesprochen gut, geradezu perfekt. Was aber hat der Mann zu sagen?

Hetzen

Es geht um einen Vortrag, den Ganser in München gehalten hat. Und vor dem das „Linke Bündnis gegen Antisemitismus in München“ (LBGA) gewarnt habe, so Guyton. Man befürchte „die Verbreitung rechtsradikaler und verschwörungsideologischer Inhalte“ und wurde auf der Website des LGBA gleich noch etwas drastischer:

„Kurzum handelt es sich bei Daniele Ganser um einen Hetzer, der rechtsradikale und verschwörungsideologische Propaganda betreibt, die auch Antisemitismus befördert. Insbesondere aufgrund seiner Kontakte zu Hoffmann [Anm.: Karl-Heinz Hoffmann, Gründer der rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann, in der auch der Attentäter des Oktoberfestattentats Mitglied war] und seiner Thesen zum Oktoberfestattentat ist eine Veranstaltung mit ihm in München inakzeptabel.“

Bevor wir auf die Substanzlosigkeiten des Herrn Guyton eingehen, müssen wir uns kurz mit der Einschätzung des LBGA befassen. Und das arbeiten wir in aller Kürze in Stichpunkten ab:

  1. Daniele Ganser ist ein Hetzer
  2. Ganser betreibt eine verschwörungsideologische Propaganda
  3. Ganser fördert Antisemitismus
  4. Ganser hat Kontakte zur rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann

Zu Punkt 1: Eine hohle Phrase, die keinerlei Aussagekraft hat, die nicht konkret belegt wird und eindeutig den Menschen Ganser verunglimpft.

Zu Punkt 2: Ein Totschlagargument, das hoffentlich langsam mal ausstirbt, zumal zwei Begriffe vermengt werden, die man nicht einfach vermengen kann. Objektiv betrachtet ist so etwas wie eine Verschwörungsideologie nichts anderes als ein Gedankengebäude, das bestehende Versionen von Vorgängen hinterfragt und/oder in Frage stellt. Dies im zweiten Schritt als Propaganda zu bezeichnen, outet den Verfasser selbst als einen Propagandisten, der ohne Faktenlage einen Vorwurf formuliert. Auch hier wird nichts konkret belegt, sondern mit Worthülsen gearbeitet.

Zu Punkt 3: Justiziabel wäre die Äußerung womöglich dann, wenn Ganser als Antisemit bezeichnet werden würde. Die Formulierung, dass er Antisemitismus fördere, ist aber – wenn auch nicht justiziabel -, so doch (erneut) nicht belegbar.

Zu Punkt 4: Ganser hat in seiner Funktion als Historiker in einem Video mit dem Zeitzeugen Karl-Heinz Hoffmann gesprochen. Hoffmann hat das Gespräch – das ich vollständig gesehen habe – sehr dominiert. Das kann man Ganser, oder auch dem Moderator Elsässer, vorwerfen. Hier aber von „Kontakten“ zu sprechen, ist unverschämt, verkürzt und … tja, das, was einen wahren Hetzer auszeichnet.

Die nun übliche und einigermaßen sichere Reaktion auf Punkt 4 sieht in etwa so aus:

„Man kann ja zu „Compact“ (darauf bezieht sich das Zitat) stehen wie man will, und man kann auch NuoViso.TV durchaus kritisch sehen, und natürlich ist es gewagt, wenn Daniele Ganser mit Karl-Heinz Hoffman über den Oktoberfestanschlag spricht, aber …“

Aber eine solche Reaktion wäre eine reine Rechtfertigung. Das Gespräch hat stattgefunden, es bezog sich in erster Linie auf „Gladio“ bzw. europäische Geheimarmeen und den Anschlag auf das Oktoberfest in München 1980. That‘s all, mehr gibt es für mich dazu nicht zu sagen. Also zurück zum taz-Text.

„Ich mag diesen Saal sehr“

Patrick Guyton hat im Grunde nichts zu bieten. Er stellt fest, dass Daniele Ganser wohl ein ganz netter Kerl ist (was ich bestätigen kann), das passt ihm allerdings nicht. Denn wie kann jemand, der für seinen Auftritt 27 Euro Eintritt verlangt, sagen: „Ich mag diesen Saal sehr“?

Zudem: Ganser hatte auch Kontakt zum „rechtspopulistischen Verschwörungstheoretiker“ Ken Jebsen. Einmal mehr eine Unterstellung ohne Begründung, die einfach als selbstverständlich in den Raum gestellt wird (nicht der Kontakt, sondern das verschwörungstheoretische Element).

Und dann diese Besucher der Ganser-Veranstaltung! Männer mit Vollbart und Frauen in bunten Blusen. Und wie kann Ganser es wagen, dem Publikum nahezulegen, einmal „Spiegel Online“ mit „Russia Today“ zu vergleichen? So etwas macht man nicht. Warum, das erfahren wir nicht, und ein Vergleich zwischen taz und Russia Today wäre womöglich auch ganz interessant, aber das nur am Rande. Im Prinzip geht es aber sowieso um etwas ganz anderes.

Die Sache mit dem WTC7

Auch über WTC7 spricht Ganser in seinem Vortrag. Und das geht ja nun wirklich gar nicht! Guyton präsentiert uns kurz die offizielle Version, nach der in den vierten Turm brennende Flugzeugteile geschleudert worden waren. Daraufhin brannte das Gebäude aus und brach zusammen. So weit, so gut. Oder eben auch nicht. Ich persönlich kann mir vorstellen, dass WTC7 gesprengt wurde (von wem und warum, ist eine andere Frage). Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht so war. Wer allerdings behauptet, in Besitz der einzig wahren Wahrheit zu sein, muss sich der Scharlatanerie beschuldigen lassen. Und eben das tut der taz-Autor. Um seine Kübel voll Dreck über Ganser ausschütten zu können, bedient er sich der Methode, den Vortragenden als Lügner, Verschwörungstheoretiker und potenziellen Antisemiten zu bezeichnen. Mit keinem Wort geht er inhaltlich auf Gansers Thesen ein. Für eine gelungene Entkräftung dieser wäre das aber unverzichtbar gewesen.

Und dann, wie gesagt, dieses Publikum!

Auf das hat es Guyton besonders abgesehen:

„Verstörender als der Fall Ganser ist das Publikum, 800 Leute insgesamt. Sie applaudieren stehend, als er am Ende „Liebe, Wahrheit, Mut“ beschwört. Am U-Bahn-Eingang unterhalten sich dann zwei junge Männer. „Ein Super-Typ. „Eine supergeile Aura.“

Etwas trinken gehen sollte womöglich auch der taz-Autor mal. Vielleicht beschließt er, etwas trinken zu gehen. Möglicherweise wird er dann ein bisschen lustiger, vielleicht kann er mit einem Glas Wein (oder gern auch etwas Härteres) seinen Horizont ein wenig erweitern.

Wie auch immer: Die Tatsache, dass Guyton Gansers Publikum schlimmer findet als Ganser selbst, lässt nicht nur tief blicken, sondern hoffentlich den einen oder anderen Leser abspringen, wenn Guyton mal wieder seine Ergüsse durch die Tastatur fließen lässt.

Ein Blick in die Kommentare unter dem Guyton-Text jedenfalls verrät, dass der taz-Autor schlimmer ist als sein Publikum. Das reagiert nämlich auf das nicht belegbare und inhaltlich nahezu befreite Gekritzel von Patrick Guyton weitgehend verständnislos bis empört. Womöglich funktionieren die Worthülsen, derer sich Guyton bedient, einfach nicht mehr so gut. Und womöglich haben die einen oder anderen verstanden, dass es keine schlechte Sache ist, Fragen zu stellen.

Auch wenn das bei taz & Co. insgesamt eher nicht mehr so gern gesehen wird. Wahrscheinlich werden Behauptungen und Unterstellungen einfach besser bezahlt.


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