Scham für die eigene Nationalität

Was soll denn nun diese neue Nationaltümelei? Jahrzehntelang lehrte man uns, wir müssen uns für unsere Vorfahren schämen und bei der ganzen Welt für unsere Existenz entschuldigen. Wir bekamen die Geldbörse gar nicht schnell genug gezückt, wenn sich jemand bewusst wurde, dass all seine Probleme von Nazideutschland herrühren. Wir schleppen eine Schuldenlast der Sühne unserer Vorfahren in Euro und Cent mit uns, die wir nicht einmal in hundert Generationen getilgt haben werden.

Nahezu jeden Tag erhebt jemand gegen dieses Land die Klage, wir seien migrationsfeindlich, antiintegrativ, antisemitisch, antifeministisch, islamophob, faschistisch, neonazistisch und fremdenfeindlich. Es gibt kein negatives Menschenbild, dass man nicht auf uns ummünzt und bares Geld für diese Untat fordert. Oder wenigstens die Schaffung von gut bezahlten Aufsichtspositionen über unsere schwarzen Seelen und dumpfen Charakter.

Wir sind das Volk der pauschalen Kollektivschuld!

Gibt es einen unter uns, der sich einer Untat schuldig macht, benötigen wir sofort ein Heer gut bezahlter Sittenwächter, dass sich nicht die restlichen achtzig Millionen Latentstraftäter und Unholde des gleichen Verbrechens schuldig machen. Und wir übergießen die Tatorte mit Blumen, Spielzeugen, Trauerbezeugungen und Friedensmärschen, um nur ja zu zeigen, dass wir nicht so sind. Obwohl dies vollkommen selbstverständlich sein sollte! Und dieses Trauerstalking ist keineswegs normal sondern pathologische Hyperempathie. Natürlich ist dies schlimm! Natürlich bedauere ich die Opfer und Betroffenen! Aber ich forme daraus keine Showbühne des Selbstmitleids. Ich sage es meiner Umwelt mitten ins Gesicht, wenn sie dabei ist ein Verbrechen gegen Gesetz oder Menschlichkeit zu begehen. Und ich versuche die Ursachen zu ändern, die Menschen zu solchen Taten bewegen. Nicht mit Floristikkonsum und Trauerbriefchen, sondern mit Zivilcourage im Leben.

Die jahrzehntelange Erziehung zur Scham hat gewirkt

Ich schäme mich für diese Gesellschaft. Ich schäme mich für unsere korrupte Politik und ich schäme mich für das, auf was dieses Land zumarschiert. Ich schäme mich für die Waffen, die wir in alle Krisenländer liefern. Ich schäme mich für jeden Toten auf dieser Welt, der durch deutsche Unterstützung starb. Ich schäme mich für eine Verteidigungsministerin, die uns aktiv an Tötungen auf der Welt teilnehmen lassen will. Ich schäme mich für jeden einzelnen Selbstmörder in unserem Land, den Geldsorgen in den Suizid treiben. Ich schäme mich für jedes Kind, dem die gerechte Teilnahme an Bildung und Entwicklung durch Geburt genommen wurde. Ich schäme mich für jeden einzelnen Menschen in diesem Land, der Hunger, Kälte und Sorgen empfinden muss.

Nur 10% Prozent unserer Mitbürger besitzen mehr als 50% des Landesvermögens. Nur 6% des Landesvermögens teilen sich 60% unseres Volkes. Gäben die Reichen nur 6% Prozent an diese 60% ab, besässen sie immer noch über 40% des Gesamtvermögens und unser Volk besässe mit einem Schlag doppelt so viel wie jetzt. Und es wäre auch noch volkswirtschaftlich sinnvoll, weil es ein gigantischer Konsumimpuls wäre.

Ich schäme mich für dieses Land und ich habe Grund dazu. Ich habe nichts dagegen, wenn man unsere Fahne verbrennt. Ich hätte nicht einmal etwas dagegen, wenn man unsere gesamte Regierung vor Gericht stellen und für ihr Handeln hart bestrafen würde!


© header/post image juergen ritter

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