Krankes Gesundheitssystem

UteEin Kommentar zum Artikel TAZ: Spahn will Krankenhäuser entlasten

Ist die medizinische Versorgung in Deutschland noch gesichert?

Mittlerweile häufen sich die Meldungen über Fachkräftemängel beim Pflegepersonal und Schließungen von Kinderkliniken. „Angriffe auf Rettungskräfte nehmen zu“, „Intensivstationen in NRW müssen Kinder abweisen“, „Verband befürchtet weiteres Krankenhaus-Sterben“. Auch die Rettungsdienste und Berufsfeuerwehren suchen händeringend nach Sanitätern und Rettungsassistenten. Doch Herr Jens Spahn, CDU-Gesundheitsminister, setzt andere Prioritäten. Wer also garantiert uns im akuten Notfall eine umfassende Versorgung? Wer sich vor dreißig Jahren noch wegen akuter Erkrankungen stationär behandeln lassen musste, war vom Rettungseinsatz bis zum Abschluss des stationären Klinikaufenthaltes bestens versorgt. Jedoch in den letzten Jahrzehnten kann sich dessen keiner mehr sicher sein.

Profite werden unserer Gesundheit vorgezogen

In Kliniken sowie in anderen Pflegeeinrichtungen steigt der Pflegenotstand an, sodass die verbleibenden Krankenschwestern und –pfleger sich nur noch auf das Notwendige fokussieren müssen und der Rest der anfallenden Aufgaben auf der Strecke bleibt. Der Mangel an Personal, Ausfälle durch Urlaub und/oder Krankheit und die hohen Anforderungen führen bei den Pflegekräften sowie Ärzten zu zahlreichen Überstunden, die sich teilweise nicht mehr abbauen lassen. Der Grund dafür liegt darin, dass Krankenhäuser nach vielen Privatisierungen auf Sparkurs gehalten werden, sowohl beim Personal als auch bei den Therapien. Die Zeit für die pflegerische Versorgung der Patienten ist um jede Minute genau kalkuliert. Insgesamt bleibt zu wenig Zeit für den einzelnen kranken Menschen. Die Krankenpfleger/innen sind unzufrieden, weil sie nicht genug für sie tun können.

Neben der Patientenversorgung werden Telefonanrufe angenommen oder getätigt, bei Notfällen sind die Dienst habenden Ärzte zu verständigen und diesen zu assistieren, Neuaufnahmen aus der Notaufnahme abzuholen, und nicht zuletzt muss immer mal ein Blick auf bettlägerige oder pflegebedürftige Patienten drin sein. All das fällt auch an Wochenenden und Feiertagen an, selbst wenn man zu zweit Verantwortung für vierzig Kranke zu tragen hat. Intensiv- und Kinderstationen unterliegen ebenfalls der Profitgier und dem Kapitalismus der Rendite-Jäger in den Geschäftsleitungen. Die Personaldecke ist so ausgedünnt, dass Doppelschichten alltäglich geworden sind und Kollegen während ihres Urlaubs oder freien Tages für andere einspringen müssen. Betten müssen auf Kinder- und Intensivstationen gesperrt werden, weil Kapazitäten fehlen. Neue Patienten werden abgewiesen und müssen in andere Krankenhäuser verlegt werden. Dabei vergeht zu viel wertvolle Zeit. Zeit, die schwerst kranken Menschen fehlt.

Anforderungen gestiegen

Die Anforderungen im Pflegeberuf sind innerhalb der letzten zwanzig bis dreißig Jahren gestiegen. Viele Menschen, die im Dienste der Gesundheit berufstätig sind, erkranken und müssen deshalb ihren Job aufgeben. Frei gewordene Arbeitsstellen sowie ausgeschriebene Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, weil zu wenige oder ungeeignete Bewerbungen eingehen. Wer möchte denn schon noch zu diesen Bedingungen und der schlechten Entlohnung den Pflegeberuf ausüben oder erlernen?

Boomt der Fachkräftemangel?

Die Berufsfeuerwehr sowie viele Rettungsdienste brauchen Verstärkung. Die Ursache für fehlende Mitarbeiter liegt bei den immer häufiger auftretenden Gewalttaten während der Einsätze. Den aggressiven Angreifern ausgeliefert, können sich weder Notärzte noch Rettungsassistenten der Notfallversorgung widmen. Solche unliebsamen Unterbrechungen bringen nicht nur das Personal in Gefahr, bei vielen Patienten kommt es auf jede Minute an. Seit Jahrzehnten ist die Regierung gefordert, den Fachkräftemangel allgemein und besonders in der Kranken- und Altenpflege zu beheben. Dazu gehört, weiteren Privatisierungen entgegen zu wirken. Herr Spahn speist Kliniken und Krankentransportdienste immer mit Versprechungen ab, denen bis jetzt keine Taten folgen. Stattdessen pflegt er seine Lobby-Tätigkeit und plant lediglich den Fachkräftemangel mit Einwanderern aus anderen Ländern wie Mexiko auszugleichen.

Fazit

Letztendlich sind die Patienten in allen beschriebenen Situationen die Leidtragenden. Mit den insolventen Krankenhäusern werden die Anzahlen der Todesfälle steigen. Die Gesundheit sowie die Versorgung ist ein Grundbedürfnis der Menschen und darf nicht vom Profit der Geschäftsführungen abhängig gemacht werden. Also, Herr Spahn, Schluss mit den Privatisierungen im Gesundheitswesen! Sorgen Sie endlich für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne sowie für mehr Sicherheit und Schutz gegen Gewalt im Einsatz! Berufe in der Pflege und im Rettungsdienst müssen für angehende Auszubildende attraktiver werden.


© post/header image Alice12 auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.