Klimapaket ist Klimaheuchelei

Wir brauchen eine klimaverträgliche und ressourcenschonende Wirtschaft – Sahra Wagenknecht bei Maybrit Illner am 19.September 2019

Blinder Aktionismus und Klima-Heuchelei helfen niemandem weiter. Ich finde es unverschämt, wenn die Politik nun viele Dinge teurer macht, aber seit Jahren nicht dafür gesorgt hat, dass der Konsument klimafreundliche Alternativen hat. In die muss investiert werden, statt kleine Leute und die Mittelschicht immer stärker zu belasten.

Erst einmal sind die Konzerne nicht die Wirtschaft. Also wir haben hochinnovative Unternehmen vor allem im mittelständischen Bereich. Und wir haben leider bei den großen Unternehmen zunehmend ein Geschäftsmodell, das darauf aus ist, sehr kurzfristig maximale Rendite zu machen und dafür langfristige Investitionen in die Erforschung neuer Technologien zu unterlassen. Das ist ein Grundproblem. Und deswegen finde ich, da muss es natürlich Vorgaben geben. Die Autoindustrie, die deutsche, ist ein Beispiel, aber wir haben auch andere Beispiele. Wenn Sie sich die globale Wirtschaft anschauen: Die hundert größten Konzerne sind verantwortlich für zwei Drittel des CO2-Ausstoßes. Wir haben ein Wirtschaftsmodell, wo Produkte teilweise extra so konstruiert werden, dass sie schnell kaputt gehen, damit man das nächste Produkt wieder in den Markt drücken kann. Das sind Mechanismen, die natürlich absolut gegen eine Ressourcen sparende Wirtschaft sind.

Wir haben die Globalisierung in einer Form, die dazu führt, dass wir immer mehr globale Transportvolumina haben, das heißt auch immer mehr globale Transportemissionen. Das ist inzwischen: Ein Viertel des globalen CO2-Ausstoßes ist dadurch verursacht, dass große Unternehmen eben Standorte verlagern und dann teilweise auch globale Produktionsketten haben, Produkte drei, vier mal zwischen den Kontinenten hin und her verschieben, damit sie immer das Billigste haben, wo sie produzieren. Das ist natürlich nicht besonders sinnvoll. Solche Themen gehören zu der Debatte – Regionalisierung der Wirtschaft. Warum müssen wir landwirtschaftliche Produkte über tausende oder zehntausende Kilometer weit transportieren, die man hier anbauen kann? Und da ist die deutsche Bundesregierung unehrlich. Sie täuscht großen Aktionismus vor in der Frage des Klimawandels und auf der anderen Seite pusht sie Freihandelsabkommen mit dem Mercosur in Lateinamerika, die wesentlich dafür verantwortlich sind, dass der Regenwald jetzt brennt. Das sind Brandrodungen, damit die noch mehr Fläche haben für den Anbau von Produkten, die sie dann nach Europa transportieren. Das bedeutet natürlich mehr CO2-Ausstoß.

Somit haben wir noch mehr Rindfleisch, was nach Europa transportiert wird, damit wir sozusagen hier unseren Fleischkonsum weiterhin aufrechterhalten können zu Billigkonditionen. Das ist eine völlig absurde Politik. Und deswegen sage ich, statt jetzt über viele Kleinmaßnahmen – die teilweise sinnvoll und teilweise nicht sinnvoll sind – sollte man wirklich über solche Fragen diskutieren. Wir müssen anders wirtschaften. Wir müssen unsere globale Wirtschaft anders aufstellen und da sind die großen Unternehmen ganz wesentlich gefragt.


Quelle: www.linksfraktion.de/mediathek/

4 Gedanken zu „Klimapaket ist Klimaheuchelei“

  1. Danke Sahra Wagenknecht aber so was von wahr. Die genannten Beispiele sind eine der Auslöser des immer schnellen fortschreitenden Klimawandels. Auch hat jedes Land auf dieser Erde sein eigenes Klimaprogramm oder auch nicht wird gefördert oder abgewirkt Wir jeder einzelne kann mit beitragen um den Anstieg der Temperaturen und das Abschmelzen der Polkappen zu verhindern auch durch das eigenen Konsum Verhalten.

  2. Alles sehr schön gesagt und auf den Punkt gebracht. Der Begriff Blinder Aktionismus trifft den Nagel auf den Kopf, nur…die Prozesse sind angestoßen und lassen sich nicht mehr aufhalten, der Zug ist abgefahren. Die nachkommenden Generationen müssen es ausbaden. Bereits in den 70’ern warnte der club of Rom vor dieser Entwicklung, es wurde mehr oder weniger totgeschwiegen…Profit vor Vernunft, damit wurde die büchse der Pandora geöffnet und Freitag für Zukunft ist vielleicht der kleine Vogel Hoffnung, der als letztes nach den plagen entfleucht…

  3. Hallo Jörg Herbst, schön, das Sie den Klub of Rom ansprechen. Haben Sie gewußt, das der Stellv. Vorsitzende des Club of Rom Deutschland der Chef von Plant for Planet ist? Nein? Und das Plant for Planet großzügig sein Spendenkonto für Fridays for Future zur Verfügung stellt? Auch nicht?
    Wir erleben hier eine so genannte selbst erfüllende Prophezeiung. War es doch Club of rom, die als Erste vor dem Klima-Kollaps warnte. Und glauben Sie im Ernst, das wir mit 2% des weltweiten menschengemachten co2 Ausstoßes irgendwas bewirken, wenn die restlichen 98% nicht mitmachen? Mich erinnert die FFF-Bewegung an den Ablasshandel vor 500 Jahren nach dem Motto: „Wenn das Geldstück im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ Die armen irregeleiteten Kids demonstrieren für höhere Steuern, die dann später ihre Eltern bezahlen werden. Und genau darum geht es. Mehr Steuern, auf Demos gefordert, Einfacher waren Steuererhöhungen noch nie. Dem Weltklima wird das sicher wenig nützen. Muss und soll es auch nicht.

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