Ernährung als Trennmittel der Gesellschaft

Unsere Landwirte müssen von ihrer Hände Arbeit leben können. Dies gilt für sie ebenso, wie für jeden Handwerksbetrieb. Dies könnten wir als grundsätzliche Forderung im Raum stehen lassen, wenn, ja wenn es so einfach wäre.

Was so plakativ an unsere Konsumverantwortung plädiert, ist aber ein sehr komplexes Thema. Ein Thema, dass uns mit Zorn erfüllt, wenn wir etwas weiter denken. Denken, dieser Hirnprozess, der unserer Regierung vollkommen abhanden gekommen zu sein scheint. Betrachten wir es einmal ganz unplakativ aus einigen grundsätzlichen Blickwinkeln.

Zunächst aus dem Blickwinkel der Wirtschaftlichkeit und der Freiheit einer Tätigkeitswahl. Freiheit ist eine der wertvollsten Errungenschaften der modernen Kultur. Sie besagt nicht, dass jeder machen dürfe was er wolle, sondern dass man nicht machen muss, was man nicht möchte. Dies bedeutet, dass niemand Landwirt werden muss, der es nicht möchte. Jedoch bedeutet es nicht, dass jeder Landwirt sein darf, nur weil er es möchte. Wenn sich der Bedarf des Marktes ändert, ändern sich auch Berufe. Die Setzer der Druckereien durften auch nicht darauf bestehen weiterhin mit Bleilettern die Druckmaschinen zu füllen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Der Flickschuster und Schlüsselmacher um die Ecke darf auch nicht nach staatlicher Subvention rufen, wenn sein Unternehmen auf den Konkurs zusteuert. Die Landwirte und Banken kosten uns gigantische Anteile des Haushaltes, mit ständiger Forderung der Subvention der Misswirtschaft.

Warum Misswirtschaft?

Von jedem Unternehmen fordert unsere Gesellschaft, dass es der Gemeinschaft Produkte oder Dienstleistungen zu einem marktgerechten Preis anbietet, die benötigt werden, sonst wird es keinen Umsatz tätigen und vom Markt verschwinden. Wirtschaftsunternehmen decken Mangelsituationen zu Preisen der Kaufkraft der Konsumenten. Dies bezeichnet man als Bedarf. Hier bildet sich eines der landwirtschaftlichen Probleme. Unsere Landwirtschaft handelt nicht unternehmerisch, sondern gibt sich den Anschein einer karitativen Tätigkeit. Karitative Einrichtungen jedoch decken Mangelsituationen der Gesellschaft kostenlos oder stark verbilligt, da sie sich aus der Mildtätigkeit des Staates oder durch Spenden finanzieren. Jedoch stellt sich die Frage, wie es möglich ist, dass jeder Mensch Lebensmittel benötigt, aber der Bedarf an Lebensmittel in Deutschland sinkt, obwohl die Deutschen im Schnitt immer dicker werden? Also mehr essen als benötigt. Bedarf bildet sich nicht nur aus dem Mangel, sondern auch aus der Kaufkraft. Hier liegt das Problem innerhalb unserer Gesellschaft.

Der Überfluss bildet die Wohlstandsschere

Es gibt die Wohlstandsgesellschaft, die sich den Luxusslogan erlaubt: „Geiz sei geil“. Aber es gibt auch jene, die sich Geiz nicht leisten können, weil sie arm sind. Jene, die auch schon einmal ihre Nahrungsmittel in den Mülltonnen suchen müssen, weil keine Kaufkraft mehr vorhanden ist. Also kein Bedarf an Lebensmitteln besteht, sondern nur schmerzender, lebensbedrohender Mangel. Jener Gesellschaftsteil der nicht zum Markt gehört, sondern an den Rand unseres Wohlstandes gedrängt wurde. Spätestens an diesem Punkt sollte sich ihr Blickwinkel etwas geändert haben, vom Mitleid mit den Unternehmern der Landwirtschaft zum Mitleid mit jenen, die bei verteuerten Lebensmitteln noch früher im Monat nach Essenresten in den Mülltonnen der Gesellschaft suchen müssten. Während die Wohlstandsgesellschaft sich nach dem abendlichen Workout bei einem Szene-Getränk für zehn Euro je Glas trifft, bleiben vielen Menschen unserer Gesellschaft pro Tag nicht einmal fünf Euro zum Überleben. Es gibt also folglich Teilnehmer eines Marktes, die mehr ausgeben könnten für Produkte der Landwirtschaft. Und es gibt jene, die wir vor noch mehr Hunger bewahren müssen.

Vereinzelt sieht man auch schon einmal das eine oder andere Luxusmobil vor dem Discounter, mehrheitlich sind es aber doch Fahrzeuge der unteren Bevölkerungsschichten, die dort zum Einkauf parken. Und dies nicht aus dem Grund des Preises, sondern der Qualität. Was beim Discounter angeboten wird, hat in der Regel nur wenige Zwischenhändler, welche mitverdienen und ist im Wettbewerbsdruck des Marktes entstanden. Dies bedeutet große Stückzahlen unter erbärmlichen Produktionsbedingungen. Etwas, dass die Qualität beeinflusst.

Qualität hat seinen Preis

Es ist unmöglich, bestmögliche Qualität zu niedrigsten Preisen zu bieten. Wer gutes Fleisch zu niedrigsten Preisen erwartet, kann nur enttäuscht werden. Billigfleisch bedeutet industrielle Tierhaltung und Einsatz von Medikamenten. Gestresste Tiere ohne jede Bewegung, in ihrem kurzen qualvollen Leben mit Mastfutter versorgt und die geschwächten Körper mit Antibiotika geschützt, bildet Fleisch von der Qualität, das sich gerade einmal als Hundefutter eignet. Und unsere Wohlstandsgesellschaft heult bereits vor Zorn auf, bei dem Gedanken, dass ihren Hunden so etwas zugemutet werden soll. Merke, sie heult nicht bei dem Gedanken auf, dass sich in unserer Gesellschaft Menschen aus der Mülltonne ernähren. Für dieses Fleisch, dass nicht einmal Haustieren zugemutet werden sollte, verlangen die Landwirte nun noch mehr Geld. Eine Forderung, die seit Jahrzehnten von den Bauern gestellt wird und aufgrund dessen sind unglaubliche Subventionssummen aus dem Staatshaushalt geflossen. Immer stand als Argument das Tierwohl und die Produktqualität in vorderster Front. Wir zahlten in Dauersubventionen. Was erhielten wir dafür? Immer schlechtere Qualität und immer häufiger Skandale der Tierhaltung und verseuchter Lebensmittel. Wir dürfen festhalten, dass diese Subvention nichts an der Situation auf dem Markt ändert. Dies probierten wir bereits seit Jahrzehnten vergeblich. Gleichzeitig ist aber auch das Hofsterben Realität. Dass kleine Höfe nicht wirtschaftlich arbeiten können und trotz Subvention aufgeben müssen, dass sich nur die industrielle Landwirtschaft und Tierhaltung im Wettbewerb des Marktes durchsetzen kann. Qualvolle Tierhaltung und Lebensmittel, die nur noch in Form und Farbe mit den Erzeugnissen Ähnlichkeit besitzen, deren Namen sie tragen.

Mangel an qualitativen Lebensmitteln

Und erneut spaltet sich unser Denken. Diese Produkte sind ihr Geld nicht wert, egal wie günstig sie angeboten werden. Sie dürften sofort auf den Müllhalden entsorgt werden, wo die Überproduktion ohnehin verschwindet. Wir Menschen benötigen Nahrungsmittel. Wir benötigen Vitamine und Nährstoffe in evolutionär geformter Menge. Was wir erhalten sind Ballaststoffe und Kohlenhydrate mit Chemie vermengt. Mit Antibiotika und krebserregenden Pestiziden. Wenn Sie an Krebs erkranken, dann möglicherweise, weil Ihr Salat mit einem krebserregenden Pestizid „geschützt“ wurde. Die Regierung finanzierte diesen Anbau mit Subventionen und Herr Spahn läßt Sie als wirtschaftlichen Totalschaden sterben, weil Ihre Gesundheitsversorgung über dem 35.Lebensjahr nicht mehr wirtschaftlich ist, wenn die Investoren der Krankenversicherung noch eine Kapitalrendite von 35% im Jahr erwarten dürfen.

Machen Sie sich bewusst, dass man dreifach zahlt! Einmal für die Subvention der Krebs verursachenden Lebensmittel. Dann für ihre lebenslangen Beiträge zur Gesundheitsversorgung und zum Schluss mit ihrem Leben, weil beides auf Qualität pfeift und nur den Profit im Kopf hat. Dass man auch mit dem Vertrauen als Wähler zahlt erwähne ich gar nicht mehr, dies ist inzwischen unabwendbarer Alltag in unserer neoliberalen, korrupten Wirtschaftsdiktatur. Wir sehen folglich, es besteht ein Mangel an qualitativen Lebensmitteln. Und wir sehen auch, dass Subventionen den Verdrängungsprozess der kleinen, qualitativ hochwertigen Erzeugerbetriebe nicht verhindern. Dass sich die industriellen Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte die Subventionen lächelnd als Zusatzgewinn in die Tasche stecken, während sich deren Produktqualität im Sturzflug befindet.

Gerecht versorgen statt ausbeuten

Wir sprechen hier von zwei verschiedenen Dingen, reden wir von Landwirtschaft und von der erzeugenden Lebensmittelindustrie. Die einen sind Landwirte und die anderen sind Konzerne. Die Industrie haben wir bereits viel zu lange gestützt. Die Industrie hat uns nicht versorgt, sondern ausgeplündert. Dies ist nicht der Grundgedanke, der hinter dem Versorgungsanspruch einer Gesellschaft steht. Wir benötigen wieder Qualität, von deren Erzeugung ein jeder leben kann. Wir benötigen Landwirte. Höfe mit artgerechter Tierhaltung und Landwirtschaft ohne krebserregenden Chemieeinsatz. Und wir benötigen hier ausreichende Mengen. Es dürfte außer Frage stehen, dass die industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung verboten werden muss. Hier sind die Hofgrößen und die Anzahl der Tiere auf einen artgerechten Haltungsbedarf zu beschränken. Die Landgröße auf jenes beschränkt werden, was ohne Chemieeinsatz zu bewirtschaften ist. Eine Preisbindung für landwirtschaftliche Erzeugnisse scheint unumgänglich, um dem gerechten Anspruch der Landwirte und der Konsumenten gleichermaßen zu genügen. Aber wie gewährleisten wir dennoch unserer ärmeren Gesellschaftsschicht eine ausreichende Teilhabe an der Nahrungsmittelversorgung? Durch Subventionierung. Wer von Armut bedroht oder betroffen ist, muß einen Preisnachlass an der Ladenkasse auf seine Lebensmittel erhalten. Wir alle als Gesellschaft des Wohlstandes sollten aus unseren Steuern diese Gerechtigkeit gegenüber jenen zahlen, die wir in unserer Leistungsgesellschaft auf dem Weg in den Wohlstand verloren haben. Dies ist der Gedanke einer sozialen Gesellschaft, nicht der Prozess, die Reichen immer reicher zu machen.

Was wird geschehen?

Die landwirtschaftlichen Konzerne haben die Regierung bereits fest auf ihrer Lohnliste. Es wird wieder eine Subvention aus staatlicher Hand geben, oder eine staatliche Preiserhöhung, an der sich die landwirtschaftlichen Konzerne dumm und dämlich verdienen werden und die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe werden weiter am Existenzminimum um ihr Überleben kämpfen. Wir müssen die Korruption auf Regierungsebene bekämpfen. Wir müssen für unsere Überlebensteilhabe eintreten. Wir dürfen uns nicht länger Gift als Lebensmittel verkaufen lassen und mit unseren Leben dafür bezahlen, dass sich Minister korrumpieren ließen. Und wir dürfen es nicht zulassen, dass in unserem Land Menschen hungern oder in Mülltonnen nach unseren Lebensmittelresten suchen müssen.


© post/header image Julio Cesar Velasquez auf Pixabay

Ein Gedanke zu „Ernährung als Trennmittel der Gesellschaft“

  1. Dieser Kommentar ist gerade so aktuell für die Milliarden von Subventionen. So steigen die Subventionen von 2017-2020 um 9,6 Mrd. auf Gesamt 31,4 Mrd. in 2020. Es gibt also ein großes Interesse da genau hinzusehen um Auswüchse zu verhindern.

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.