Ein historischer Tag – Chile wacht auf!

Ein historischer Tag: Mehr als 1 Million Menschen sind gestern in Santiago de Chile gegen den konservativen und wirtschaftsliberalen Präsidenten und Milliardär Sebastián Pinera auf die Straße gegangen. Das ganze Land hat gerade einmal 17 Millionen Einwohner.

Chile geht auf die Straße Mehr als 1 Million Menschen gestern in Santiago de Chile

Youtube – „Mañana será un día difícil“, dijo el Mandatario, quien además hizo un llamado a la unidad.

Auslöser war eine Fahrpreiserhöhung der Tickets im Nahverkehr von 800 auf 830 Pesos, umgerechnet von 0,99 auf 1,03 Euro. Gegen die folgenden Proteste rief Pinera den Ausnahmezustand aus und setzte das Militär gegen die eigene Bevölkerung ein. „Estamos en guerra“ (Wir sind im Krieg) ließ er die Öffentlichkeit wissen. Es ist der erste politische Ausnahmezustand seit der Zeit Pinochets. Die Bundesregierung schweigt.

Die Ursachen der Proteste liegen jedoch tiefer: Chile ist das Land des Neoliberalismus, hier wurde nach dem blutigen, insbesondere von den USA unterstützten, Putsch 1973 der Neoliberalismus unter dem Diktator Pinochet gemäß den Ratschlägen der ‚Chicago Boys‘ zum ersten mal in der Geschichte durchgepeitscht.

Heute ist Chile eines der ungleichsten Länder der Welt. Valeska Hesse,Lateinamerika-Leiterin der Ebert-Stiftung : „Alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind privatisiert: Renten, Gesundheit, Bildung … Die Mittelschicht in Chile verdient im Durchschnitt etwa 700 Euro im Monat und hat Lebenshaltungskosten die vergleichbar sind mit Berlin.“

Chile galt für viele noch vor wenigen Tagen als politisches Vorzeigeland in Lateinamerika: Einen Tag vor den Protesten konnte sich Präsident Pinera in der Financial Times als „Kreuzritter gegen den Populismus“ darstellen: „Mit Blick auf Lateinamerika sieht Chile wie eine Oase aus, weil wir eine stabile Demokratie und eine wachsende Wirtschaft haben, wir Arbeitsplätze schaffen, die Löhne erhöhen und das makroökonomische Gleichgewicht erhalten.“

Für die FAZ versinkt der Kontinent angesichts der Proteste auch in anderen lateinamerikanischen Ländern in „Hoffnungslosigkeit.“ Das Gegenteil ist richtig: Ausgerechnet das Land, in dem der Neoliberalismus vor über 40 Jahren zuerst durchexerziert wurde, erlebt jetzt die größten Sozialproteste. Auch andere Länder, wie Argentinien, wo am Sonntag gewählt wird, und Ecuador erleben anti-neoliberale Bewegungen. Das macht Hoffnung.

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