Die Rentenlüge

Olivier Ein Kommentar zum Artikel dasinvestment: Wirtschaftsminister wettert gegen Rentenerhöhungen in Bezug auf Herrn Altmaiers Rentenpolitik

Die Wirtschaftsförderung durch Rentenzahlung

Was ist Zynismus? Ein lebensnahes Beispiel

Während in unserem Land immer mehr Rentner auf Armenspeisungen wie die Tafeln angewiesen sind, tritt die Deutsche Bank mit ihrem Sprachrohr Minister Altmaier an die Öffentlichkeit und fordert eine Rentensenkung. Von einem Geschenk der Regierung ist da die Rede, welches man sich nicht ewig leisten könne. Nun ist Herr Altmaier weder durch einen eleganten Auftritt seiner einnehmenden Persönlichkeit oder einer besonders sorgfältigen Arbeitsweise bekannt. Er ist für die meisten Menschen nicht einmal sympathisch. Ich meine sogar behaupten zu dürfen, dass es ihm in seiner politischen Persönlichkeit gelang, einer der umstrittensten Regierungsmitglieder zu werden. Was möchte er nun erreichen? Es entspricht meiner Beobachtung, dass er bereits geraume Zeit nicht mehr für das deutsche Volk sondern für die Deutsche Bank arbeitet. Genauer genommen frage ich mich, warum er noch immer im Bundestag sitzt, anstatt in einer Vorstandsposition dieser Bank? Möglicherweise scheitert der Wechsel in das Finanzinstitut ja auch nur an deren strengen Bekleidungsvorschriften. Aber genug der Häme ungeachtet dessen, was unser Land aus dem Amt dieses Menschen ertragen muss.

Unsere Renten sind ein Geschenk

Eine dreiste Lüge. Aber sehen wir uns die Fakten an. Menschen werden geboren aber sie sterben auch leider irgendwann. Finden wir in der Statistik mehr Geburten als Sterbefälle, so sprechen wir vom Bevölkerungswachstum. Ist die Zahl der Geburten deutlich höher als die Sterberate, sprechen wir vom Baby-Boom oder den geburtenstarken Jahrgängen. Was bedeutet dies im Zusammenhang mit den Rentenzahlungen? Das Modell der Rente ist in diesem Land an die Zahl der arbeitenden Bevölkerung gekoppelt. Diese finanzieren die Rente der jeweils aktuellen Rentenbezieher. Es entsprach der deutschen Statistik, dass im Land deutlich mehr Menschen geboren werden, als stürben. Wir galten als gebärfreudige Nation. Der zweite Weltkrieg hatte noch einige Jahre nach Kriegsende eine Auswirkung auf die Geburten- und Sterberate in unserem Land. Noch 1946 starben in Kriegsfolge mehr Menschen, als es in den folgenden Jahren der Fall war. Auch wurden durch die Kriegsgefangenschaft vieler Männer weniger Kinder geboren, als Menschen verstarben. Die Sterblichkeitsrate fand erst in den Jahren der späten sechziger bis in die Mitte der siebziger Jahre einen neuen Höhepunkt, den zahlreiche Wissenschaftler auf die Umweltverschmutzung und Chemieverseuchung unserer Arbeitsumgebungen zurückführen. Seit etwa 1973 sterben deutlich mehr Menschen, als geboren werden.

Die Fruchtbarkeit als Wirtschaftsmodell

Die heutige Rente wurde als Umlagemodell erdacht, da man bei der Modellentwicklung von einem steten Anwachsen der Geburtenrate ausging. Vor der Entwicklung eines wirkungsvollen Verhütungsschutzes vor der Erfindung der Pille war dies auch statistisch zu erwarten. Was ist ein Umlagemodell? Viele von uns kennen dieses Modell auch als Solidargemeinschaft. Es bedeutet nichts anderes, als dass Kosten aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden. Nehmen wir 1000 Euro ein, können wir 1000 Euro ausgeben. Dieses Prinzip kennen die meisten von uns, die zu den unteren Bevölkerungsgruppen gehören. Am Ende des Geldes bleibt häufig noch etwas Monat übrig. Jeder von uns weiß, wenn uns dann das Schicksal etwas Ungeplantes beschert, ist dies meist nur mit einem Kredit zu bewältigen. Einem Kredit, der ja auch zurückgezahlt werden muss. Also bleibt am Ende des Geldes zukünftig noch mehr Monat übrig. Dies gilt für unseren Haushalt ebenso wie für den Bundeshaushalt. Wer von Ihnen nun denkt, dann könnte ich doch auch den Job im Bundestag machen, der hat vollkommen Recht. Die meisten MdBs besitzen nicht Ihre langjährige Erfahrung im Überleben in einer Finanzdiktatur. Sie besitzen nicht Ihre Fähigkeit, aus nichts noch ein Abendessen zu zaubern. Das Gegenteil ist der Fall. Und ich erkläre Ihnen auch, woran ich es fest mache.

Reparationszahlungen aus der Sozialkasse

Wir betrachteten, was ein Umlagemodell ist. Eine stabile Situation hätten wir in der Rente, wenn die Sterbe- und Geburtenrate gleichmäßig verliefe. Wenn die Berechnungsgrundlage der Rentenhöhe annimmt, dass sechs Arbeitnehmer Rentenbeiträge einzahlen, um diese an einen Rentner abzugeben, dann müsste dieses Verhältnis beibehalten werden. Jedoch schwanken die Geburten- und Sterberaten. Die Jahre von 1955 bis 1968 galten als geburtenstarke Jahrgänge und fanden in den Jahren 1962 und 1963 ihren Höhepunkt. Knapp 1,4 Millionen Menschen wurden in jedem dieser Jahre geboren, während gleichzeitig immer mehr Menschen starben. 1963 waren es bereits ca. 900.000 Menschen. Bis zum Jahre 1957 gab es ein kapitalgesichertes Rentensystem, dass Überschüsse in verzinsten Rücklagen sichern sollte. Allerdings war unser Land in einer prekären Situation. Zahlreiche, ehemalige Kriegsgegner verlangten eine Entschädigung für die angerichteten Kriegsschäden. Die Opfer der Kriegsverbrechen mussten entschädigt und das zerstörte Deutschland aufgebaut werden. Auch die vielen Vertriebenen aus den besetzten Gebieten des Nazideutschlands erwarteten die bundesdeutsche Entschädigung für ihr verlorenes Vermögen. Niemand dachte zu diesem Zeitpunkt an eine schwarze Null im Bundeshaushalt. Die Schuldenuhr raste in schwindelerregender Geschwindigkeit nach oben, während die Regierung nach allen Seiten Zahlungen ausschüttete.

Zu dieser Zeit bildete die Rente kein Vollversorgungsmodell, sondern lediglich eine Unterstützung. Es bestanden traditionelle Familienverbände, welche mehrere Generationen in den Haushalten vorsahen. Die Alten und Kranken verwahrten und erzogen die Kinder des Familienverbundes und versorgten den Haushalt, während die mittlere Lebensgeneration die finanzielle Versorgung durch aktive Arbeitsverhältnisse beitrug. Die Wohnverhältnisse entsprachen deutschlandweit in etwa den Schilderungen aus dem Milieu, der Feder Zilles, obwohl diese aus der Jahrhundertwende stammten. Das Land war um mehr als fünfzig Jahre zurückgeworfen. Und auch das Rentensystem war durch das Nazideutschland belastet. Die Altenversorgung konnte nicht einfach ignoriert werden, nur weil die Kassen leer waren. Ansonsten drohten ähnliche Revolten und bürgerliche Unruhen, wie es in der Folge des ersten Weltkrieges geschah. Die neue Regierung erkannte ihre Zahlungsverpflichtung aus den Einzahlungen vor 1950 an. Hier fand unter der CDU ein erster Betrug am Rentensystem statt.

Die immensen Forderungen aus den Beamtenbezügen des Naziregimes wurden dem neuen Rentensystem ebenso angelastet, wie die Renten der Kriegsversehrten und Flüchtlinge. Genau genommen hatte nach dem heutigen System nicht eine Person Anspruch auf Zahlungen, welche vollständig unserer Rentenkasse angerechnet werden durften. Bereits deshalb nicht, weil sie nicht bereits 35 Jahre in die Kasse eingezahlt hatten und auch die Weimarer und Nazibeamten konnten sich nicht auf das Dienstrecht des Nachkriegsdeutschlands berufen. Hierfür wäre der Verfassungseid notwendig gewesen und nicht einer von Ihnen hatte den Schaden vom deutschen Volk abgewandt, wie es unser Grundgesetz verlangt. Hier handelte es sich um Reparationsabgaben und nicht um Rentenzahlungen unserer Sozialversicherung!

Renten durch Bundeshaushalt subventioniert

Auch das ist eine Lüge. Diese Renten waren in einem Kapitalversicherungsmodell gesichert, dass mit Nazideutschland starb. Deutschland hatte die Pflicht, als Nachfolgestaat der Diktatur, diesen Schaden zu ersetzen, jedoch zu keinem Zeitpunkt war dies die Aufgabe des neuen Rentensystems. Nicht der Bundeshaushalt bezuschusste die Renten, sondern das Rentensystem die deutsche Aufbauhilfe, den Reparationsbereich und die Wirtschaft. Insbesondere die Rentenzahlungen an die vielen Zwangsarbeiter hatten nicht aus der deutschen Rentenversicherung zu erfolgen. Für mein Gefühl wäre dies die Aufgabe der immer noch reichen Erben von Krupp, Siemens, Mercedes und Volkswagen und der anderen am Krieg verdienenden oder zumindest des Staates gewesen und nicht der Rentenversicherung. Dies ist ein grober Budgetfehler, der jedem kleinen Kaufmannsgehilfen die fristlose Kündigung eingebracht hätte.

Arbeiter und Angestellte finanzierten mit ihren Rentenbeiträgen hauptsächlich die Renten von Nazibeamten und Nazioffizieren und Kriegsversehrten sowie den Aufbau der deutschen Unternehmen und sie zahlten auch die Renten von Vertriebenen. In diesen Jahren hatte die Rentenversicherung den Charakter einen Reparationssteuer. Aus heutiger Sicht können wir sagen, dass die Rentenversicherung diesen Reparationscharakter erst Anfang der achtziger Jahre verlor. Genau genommen, besitzen die deutschen Rentner noch immer den Anspruch auf die Rückerstattung der bis dahin fremdverwendeten Renten. Es kann nicht die Aufgabe einer Sozialversicherung sein, die Kosten von Kriegen und Kriegsverbrechen zu tragen. Und wer nun behauptet, die damals Rentenberechtigen seien heute verstorben und ihr Anspruch damit erloschen, der irrt. Schließlich vererbt sich ein solcher Anspruch, wenn er aufgrund gesetzlichen Diktates entstand. Deutschland trägt eine Versorgungsschuld gegenüber jenen, die ihre Leistungen in Weimar oder Nazideutschland durch den Krieg verloren. Aber es handelte sich um soziale Versorgungszahlungen, nicht um Renten. Keine Versicherung dieser Erde wird Kriegsfolgen versichern, dies kann auch die deutsche Rentenversicherung nicht leisten.

Die CDU Regierung jener Jahre entnahm aus unseren Rentenzahlungen die Reparationskosten eines verlorenen Krieges und ist verpflichtet, dieses Geld der Rentenversicherung und damit uns, im Erbenstatus zu erstatten. Die CDU unter Konrad Adenauer änderte das Kapitalmodell im Jahre 1957 auf das heutige Umlagemodell. Der Anstieg der Geburtenrate ließ sie hoffen, dass sich die deutsche Rente selbst tragen könne. Mit der Erfindung der Pille und ihrer Vermarktung ab dem Jahre 1960 war es nur noch ein kurzer Weg bis zum sogenannten Pillenknick, der die Geburtenrate bis zum Jahre 1970 so weit sinken ließ, dass jährlich mehr deutsche Staatsbürger versterben, als geboren werden.

Die Statistiklüge

Herr Altmaier nutzt den demoskopischen Wandel für eine erneute Regierungslüge. Warum Lüge? Möglicherweise möchte mich jetzt mancher regierungstreue CDU-Anhänger in die rechte Ecke drängen. Dies passt gut, nachdem deren Büttel viele Jahre mit Gummiknüppeln auf mein sozialistisches Haupt eingedroschen haben. Wenn man ihn nicht erschlagen kann, muss man ihn wenigsten diffamieren, wenn er sich wagt die Wahrheit auszusprechen, der sozialistische Hund.

Zwei Gründe, warum Herr Altmaier schamlos lügt:

Einerseits sind es die Gastarbeiterrenten. Die deutsche Rentenversicherung bildet einen Bestandteil des deutschen Wirtschaftskreislaufs. Auch Rentner konsumieren aus den Rentenzahlungen und finanzieren damit Arbeitsplätze. Dies geschieht jedoch nur dort, wo der Rentenort ist. Ein Großteil der heutigen Rentner verbringt den Ruhestand vollkommen sorglos und gut versorgt in dem Heimatland Türkei. Wo sie einen der Eckpfeiler der dortigen Wirtschaft bilden. Nicht, dass mich jemand falsch versteht, diese Menschen haben in die Rentenversicherung einbezahlt und müssen auch die Leistungen hieraus erhalten. Aber unsere Verantwortlichen in der Politik haben offensichtlich nicht daran gedacht, dass die Gastarbeiter im Alter in die Heimat zurückkehren, und damit Monat für Monat, dem deutschen Bruttosozialprodukt Kaufkraft entziehen und damit den Markt unseres Standortes schwächen. Und nein, Herr Altmaier, Sie brauchen jetzt keine Luft zu holen, auch diese Gastarbeiter bekommen von Ihnen nichts geschenkt, sondern haben dafür Monat für Monat einbezahlt. Hier ist ein anderes Modell der Rentenabsicherung zu wählen, wenn es finanzierbar bleiben soll. Aber dies kann nicht das Problem der deutschen Rentenversicherung sein, denn es handelte sich nicht um Menschen deren Integration in die deutsche Bevölkerung gefördert wurde, sondern um Arbeitskräfte der deutschen Industrieunternehmen. Dann soll sich auch die deutsche Industrie, durch höhere Steuerbeiträge an dem Kaufkraftverlust des Wirtschaftsstandortes durch ihre „Auslandsrentner“ beteiligen. Der Profit lag allein bei den Wirtschaftsunternehmen, dann sollten sie auch die Lasten tragen.

Bevölkerungsentwicklung Deutschlands. Quelle: Statistisches Bundesamt

Als zweiten Punkt der Altmaierschen Geschenkelüge dient uns die simple Statistik. Geht es um Rentenzahlungen an deutsche Staatsbürger, schenken diese Rentner ihnen zunehmend, Herr Altmaier, ein vollkommen unverdientes Gehalt. Gestorben wird immer und der Deutsche bevorzugt dies, gemessen an den Raten der Geburten. Was bedeutet dies? „Die Rente ist sicher!“ so verlautete der CDU Politiker Norbert Blüm im Jahre 1997. Und er ist einer jener wenigen Politiker aus den Reihen der CDU-Marionetten, denen ich etwas Sympathie entgegenbringen kann. Wenn, was bis heute niemand bestreitet, die Rente im Jahre 1997 noch sicher war, dann ist sie es heute erst recht. Nicht trotz, sondern wegen des demoskopischen Wandels. Starben im Jahre 1962 nur ca. 800.000 Menschen und wurden ca. 1.400.000 Menschen geboren, so waren es 1997 ca. 850.000 Menschen die verstarben und nur ca. 820.000, die geboren wurden. Statistisch mussten damit weniger Menschen mit Rente versorgt werden, als geboren wurden. 2006 sah ist es sogar aus Rentensicht noch günstiger aus. Ca. 820.000 Menschen entlasteten durch ihren Tod die Rentenkassen, während ca. 680.000 neue Bürger geboren wurden. Dies bedeutet, dass immer mehr Deutsche sterben, als geboren werden. Es müssen folglich immer weniger Rentner von den nachwachsenden Generationen versorgt werden. Die Rentenlast wird also leichter, und nicht schwerer, werter diskalkulierender Herr Altmaier. Dass die Flüchtlingskrise in der Zukunft nicht aus der Rentenkasse zu finanzieren ist, dies ist ein anderes Thema. Aber dies ist nicht das Problem der deutschen Rentner, sondern ein Problem des Inneren und der Wirtschaft, nicht der Rente.

Und nun Herr Altmaier, lassen Sie uns darüber reden, in welchen Raten Ihre Regierung das reparationsveruntreute Geld der Rentenversicherung zurückzahlen möchte? Oder glauben Sie etwa, wir finanzieren „Null“, das schwarze Ziel?


© post images denkdeinding & stat.bundesamt

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.