Die Doppelmoral des „American way“

SiggiEin Kommentar zum Artikel RT: Westlicher Gedächtnisschwund über sowjetische Rolle beim Sieg über Nazis

Nachdem es immer weniger Menschen gibt, die den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen bewusst er- und überlebt haben, ist ein neuer Kampf und die Deutungshoheit der historischen Ereignisse entbrannt. Nicht nur im Baltikum, auch in Deutschland mehren sich revisionistische Darstellungen.

Vor 74 Jahren wurde Deutschland von der Nazi-Diktatur befreit. Die vier Siegermächte teilten das Deutsche Reich unter sich auf. Heute sind die USA und Deutschland Partner. Seitdem prägt uns der Einfluß des „American Way of Life“ vor allem im westlichen Teil Deutschlands. Dass die Amerikaner den Deutschen immer sympathischer wurden, verdankten sie vor allem auch dem Marshallplan, mit dem sie die an den Folgen des Krieges leidenden Nationen wirtschaftlich unterstützten. Und den „Rosinenbombern“, den Flugzeugen der Alliierten, die West-Berlin zur Zeit der „Berliner Luftbrücke“ mit Lebens- und Hilfsmitteln versorgten. Wir haben mittlerweile die amerikanische Lebenskultur in uns aufgesaugt. Müssen wir ihnen doch unendlich dankbar für die Befreiung sein. Dass aber ohne der damaligen Sowjetunion eine Befreiung gar nicht möglich gewesen wäre wird in der westlichen Geschichtserzählung zunehmend verdrängt. Der Einfluß der amerikanischen Denk – und Lebensweise hat sich in unserer Gesellschaft gefestigt und erklärt unsere heutige Haltung in der Außenpolitik.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es eine Selbstverständlichkeit war, dass der Amerikaner immer der Gute war. Aber ist er das wirklich? Dass sich die Vereinigten Staaten bei ihren militärischen Interventionen und Putschen in den vergangenen sieben Jahrzehnten vielfach alles andere als mit Ruhm bekleckert haben, ist zwar angesichts von Millionen Todesopfern verständlich, aber zugleich kurioserweise nicht überall so richtig wahrgenommen worden.

Seit 9/11 bemächtigt sich nun die USA Kriege gegen den Terrorismus zu führen. Bei der Bekämpfung von Terroristen in Aleppo waren die Russen und die syrischen Armee die „Bösen“, bei der Bekämpfung der IS in Mossul waren die irakische Armee mit Unterstützung von US-Streitkräften die „Guten“ in den Medien. Für die dort lebende Zivilbevölkerung macht es aber keinen Unterschied, wer angeblich die „Guten“ und wer die Bösen“ waren. Tot ist tot. Dies wurde als Kollateralschaden bewusst in Kauf genommen. Eine Doppelmoral bei der amerikanischen Art der Terrorbekämpfung. Diese Doppelmoral spiegelt sich auch wieder, wenn es darum geht, sich an die historischen Ereignisse zu erinnern. Die entscheidende Rolle der UdSSR bei der Niederlage Nazi-Deutschlands ist aus dem kollektiven Gedächtnis des Westens ausgelöscht. Putin wurde nicht einmal zu den diesjährigen Feierlichkeiten in der Normandie eingeladen. Stattdessen wird der Krieg nur als Sieg liberaler Demokratien über zwei gleichermaßen böse Totalitarismen dargestellt.

Obwohl die sowjetischen militärischen Anstrengungen und vor allem das schreckliche Leid, das der Zivilbevölkerung zugefügt wurde im Westen übersehen werden, hält Russland die Erinnerung an das Ost-West-Bündnis, das Deutschland in die Knie gezwungen hat, in Ehren.

1 Gedanke zu “Die Doppelmoral des „American way“”

  1. Das sehe ich genau so. Die USA hatte noch nie eine von Krieg zerstörte Wirtschaft gehabt und ging international gestärkt aus den 1. und 2.Weltkrieg hervor. Die sowjetische Industrie, deren wichtigsten Zentren in der Ukraine und bis zur Wolga lagen wurden von den faschistischen Truppen total zerstört. Die UdSSR hatte zwei Aufgaben zu lösen. Den Vormarsch der Wehrmacht zu verzögern und gleichzeitig die wichtigsten Industrien,vor allem die Rüstungsindustrie bis hinter den Ural zu verlegen. Das waren Anstrengungen allergrößten Ausmaßes aller Sowjetbürger. Die Erfüllung dieser Aufgabe war die Voraussetzung, die Wehrmacht zu besiegen und Osteuropa und Deutschland vom Faschismus zu befreien. Sowohl die Schlacht um Stalingrad als auch um den Kursker Bogen waren die größten und erbittersten Schlachten im 2.Weltkrieg und letztlich war die Sowjetarmee vor den Amerikanern in Berlin.

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