Deutschland – Eine Vorzeige-Demokratie?

ThomasEin Kommentar zum Artikel Rubikon: Gegen das Vergessen

Guatemala litt von 1960 bis 1996 unter der schlimmsten Rezession Lateinamerikas. Ein „Bürgerkrieg“ kostete Tausende das Leben oder verschwanden für immer. Die Mörder waren konkret die USA, die CIA und der Obstkonzern United Fruits. Somit ist auch der Vorwurf vom Tisch, im Mainstream-Fernsehen sei kein wirklich kritischer Bericht über die USA möglich — ein solcher wird nur so gut versteckt, dass die wenigsten ihn sich angeschaut haben dürften.

Guatemala – Eine dunkle Zeit wird aufgearbeitet.

Der deutsch-französische Gemeinschaftssender ARTE, welcher in Deutschland der ARD gehört, hat einen Tatsachenbericht über den Bürgerkrieg (1960 bis 1996) in Guatemala 2017 und 2019 ausgestrahlt. Beide Male erfolgte die Ausstrahlung spät in der Nacht. Diese Zeit wird immer wieder dann gewählt, wenn ein Beitrag nur wenige Menschen erreichen soll. Die Öffentlich-Rechtlichen begründen diese Sendezeiten immer damit, dass es nur einen kleinen Interessenkreis für entsprechende Sendungen gibt. Geht man diesem Beitrag jedoch genauer nach stellt man weitere Auffälligkeiten fest. Zum einen ist dieser Bericht nicht in der Mediathek von Arte vorhanden. Zum anderen ist er nur auf Youtube in der spanisch gesprochenen Originalfassung mit französischen Untertitel zu finden. Eine deutsche Fassung gibt es nicht im Netz. Auch sonst gibt das Netz nur unzureichende Informationen weiter. Warum wird dieses Thema so aus dem Fokus genommen?

Unter dem demokratisch gewählten Präsidenten Jacobo Arbenz (1950–1954) wurden umfangreiche Landreformen durchgeführt, welche u.a. die Enteignung des Bostoner Konzerns United Fruit Company (UFC/später in Chiquita umgewandelt) zur Folge hatte. Arbenz war Sozialist und wollte damit den Menschen seines Landes das zurück geben, was sich die Eliten und ausländische Investoren in der Vergangenheit mit Gewalt angeeignet haben. Die UFC wendete sich an den CIA, um einen Putsch gegen Arbenz einzuleiten, welcher auch erfolgreich für die Faschisten endete. Somit wurde ein fast 40-jähriger und äußerst brutaler Bürgerkrieg, verursacht durch die USA, in Guatemala entflammt. Genau diese verbrecherischen Strukturen nach dem Putsch in Guatemala werden bis heute von unserer Regierung verdeckt und von den Medien unter „Verschluß“ gehalten. Das ist Zensur, wie man sie nur aus diktatorisch geführten Ländern kennt. Eine demokratische Aufarbeitung der Geschichte sieht anders aus. Die deutsche Bundesregierung hat nicht den Anspruch, sich als Vertreter einer Vorzeige-Demokratie zu sehen. Sie sind nur die Hüter einer kapitalistischen Demokratur und bereit, dafür förmlich über Leichen zu gehen, was „Bürgerkriege“ wie in Guatemala zeigen.


© post/header image Javier González auf Pixabay

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