Der Troll-Armist

Caroline Fetscher (Tagesspiegel): »Eine Trollarmee zieht gegen die öffentlich-rechtlichen Sender zu Felde. Sie schwadroniert von „Gleichschaltung“ – ein absurder Vorwurf.«

Der Troll-Armist ist ein Soldat der Trollarmee und ein neuzeitliches Wesen digitaler Natur. Sein gewöhnlicher Lebensraum ist das Internet. Er untergliedert sich in den nomadisch unzufriedenen und die sesshafte Population der Forenhasser. Der Troll-Armist hat zahlreiche, natürliche Feinde in seinem gewöhnlichen Lebensumfeld.

Sein größter Widersacher ist der Regierungsbalzer, der mit aufgeblähtem Brustkorb und wild auf die Brust trommelnden Fäusten sein Territorium täglich erweitert. Ein schwieriges Unterfangen, da er seine meiste Zeit damit verbringt, das andere Geschlecht mit seiner Persönlichkeit zu beeindrucken. Ein weiterer Fressfeind des Troll-Armisten ist der gemeine Bückling. Er tritt in großer Artenvielfalt auf und untergliedert sich in zahlreiche Populationen. Zwei ihrer Obergattungen untergliedern sich in den gemeinen und den dienlichen Mediaisten. Diese Arten sind kaum zu unterscheiden, da sich ihr Gesang und Balzverhalten stark ähneln. Auch ihr Habitat ähnelt sich. Meist finden sie sich in schmarotzender Symbiose mit dem Regierungsbalzer und dem Zastersitzer.

Der geschulte Beobachter der Mediaisten unterscheidet die Gattungen an der Kopfhaltung während des Territorialgesanges. Der gemeine Mediaist richtet seinen klagenden Gesang nach links während der dienliche Mediaist nach rechts klagt. Jedoch beobachtet man häufiger, dass der Mediaist seine Klagerichtung verändert, wenn er sein Territorium aus dem Habitat des Regierungsbalzers in ein Gebiet des Zastersitzers verlegt. Obwohl der Mediaist für gewöhnlich zu den harmlosen Schmarotzern gehört, ist sein Klageruf doch eine Gefahr für andere Lebensgattungen. Täuschend echt ahmte er den Warnruf anderer Gattungen, wie des zufriedenen Couchsitzers oder des anheimelnden Frauenverstehers nach. Die betroffenen Gattungen stumpfen gegen die Warnsignale ihrer Population ab und werden leicht Beute für den anwanzenden Politstreber, einer Unterart des Kuckuckseilegers.

Hier liefert sich der Troll-Armist einen erbitterten Gesangswettstreit mit den Mediaisten. Mit ohrenbetäubenden Gegengesang und wildem Umflattern enttarnt er den Sänger und die Inhaltslosigkeit seiner Stimme. Der Mediaist widmet daher einen Großteil seines Tages der Suche nach dem Aufenthaltsort des Troll-Armisten. Findet er dessen Spur, so flattert er so lange, laut schwatzend um sein Wirtstier, bis es Gesetze gegen den Troll-Armisten bewirkt.

Schöne Grüße von einem Troll-Armisten.


© post/header image flickr

Ein Gedanke zu „Der Troll-Armist“

  1. Es wird vieles richtig im Beitrag dargelegt, aber es geht bei den vielen Diskussionen nicht um eine Troll Armee die gegen die öffentlich-rechtlichen Sender zu Felde zieht. Schon der Begriff Troll Armee ist eine Beleidigung vieler Menschen die sich für Demokratie einsetzen.
    Es ist eine gefährliche Entwicklung wenn Menschen Kritik an bestimmten Journalisten in Zeitungen und Fernsehen äußern, auch nicht nur am ÖR, auch aus der Mitte der Gesellschaft an den rechten Rand verortet werden. Die Kritik äußert sich an denen die bestimmte Ereignisse nicht aus unterschiedlichen Perspektiven darlegen sondern sie trennen nicht Fakten von ihren Meinungen, die sie dann auch als die große gesellschaftliche Meinung verkünden.
    „Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, dessen Angebote sollten als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung wirken und dadurch „die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllen Debatten auch zu kontroversen Inhalten, unverzichtbar ist das Betrachten von Themen aus unterschiedlichen Perspektiven.

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