Der dritte Turm

Daniele GanserEin Artikel von Daniele Ganser aus der Schweizer Wochenzeitung Weltwoche

Im Umfeld von Kriegen werden viele Lügen verbreitet. Man denke nur an Saddam Husseins vermeintliche Massenvernichtungswaffen. Nun gibt es neue Erkenntnisse zu den Anschlägen des 11.September. Wer sie anspricht, wird als «Verschwörungstheoretiker» diffamiert. Doch die Fakten sprechen für sich. Von Daniele Ganser

Die Terroranschläge vom 11.September 2001 gehören wie die Ermordung von Präsident John F. Kennedy 1963 zu den Schlüsselmomenten der Geschichte der Vereinigten Staaten. Beide Ereignisse haben die US-Bevölkerung zutiefst verängstigt und schockiert. Und in beiden Fällen hat danach der amerikanische Präsident sein Land in den Krieg geführt. Nach dem Mord an Kennedy zog Präsident Lyndon Johnson 1964 in den Vietnamkrieg. Johnson behauptete, das amerikanische Kriegsschiff «USS Maddox» sei im Golf von Tonkin mehrmals von Nordvietnam angegriffen worden. Heute ist erwiesen: das war eine Kriegslüge.

Nach den Terroranschlägen vom 11.September hat der amerikanische Präsident George W.Bush junior den «Krieg gegen den Terror» ausgerufen. Die USA griffen 2001 zuerst Afghanistan an. Dieser Krieg dauert bis heute an und forderte bislang mehr als 200.000 Tote. Danach bombardierten die USA ab 2003 den Irak. US-Soldaten sind bis heute im Irak stationiert, der Krieg forderte mehr als eine Million Tote. Die Behauptung, der irakische Diktator Saddam Hussein habe etwas mit den Terroranschlägen vom 11. September zu tun, stellte sich später als Kriegslüge heraus, auch die Geschichte mit den irakischen ABC-Waffen war Kriegspropaganda.

Angesichts der vielen Lügen muss man zum Schluss kommen, dass gerade vor einem Krieg nur selten die Wahrheit gesagt wird. Als Historiker ist es daher meine Pflicht, zu untersuchen, ob nicht auch die Geschichte über den 11.September von Lügen durchsetzt ist – und das ist tatsächlich der Fall. Dass ich für meine Forschung nicht nur gelobt, sondern mitunter als «Verschwörungstheoretiker» diffamiert wurde, ist zwar unangenehm und unangebracht, aber spielt in der Sache keine Rolle. Es reicht, wenn möglichst viele Menschen Zugang zu den offenen Fragen zum 11.September erhalten, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.

Millionengewinne mit Put-Optionen

In den Tagen vor dem 11.September 2001 haben Unbekannte mit Put-Optionen massenweise auf stark sinkende Börsenkurse der betroffenen Fluggesellschaften, Banken und Rückversicherungen gewettet und damit Millionen verdient. Woher wussten diese Unbekannten, dass am 11.September ein Terroranschlag stattfinden würde?

Als die Flugzeuge von American Airlines und United Airlines in die Türme einschlugen, brach der Aktienkurs der Fluggesellschaften ein. Auch die Put-Optionen, die auf die Aktien der vier Finanzinstitute Bank of America, Merrill Lynch, Citigroup und J.P. Morgan gekauft worden waren, zahlten sich aus. Im Weiteren spekulierten die Insider auch mit Put-Optionen auf die Rückversicherungen Swiss Re und Münchener Rück, weil diese für den Schaden an den Türmen bezahlen mussten. Insgesamt war der Terroranschlag für die Insider ein Millionengeschäft. Sie verdienten mehr als 30 Millionen Dollar, während fast 3000 Menschen ihr Leben verloren.

Zumindest ein Mitglied des US-Repräsentantenhauses hielt dies für merkwürdig. «Diese Menschen, welche an unüblichen Börsengeschäften kurz vor dem 11. September beteiligt waren, wussten genug, um mit den Aktien von United und American Airlines sowie ausgewählten Banken und Versicherungen Millionen von Dollars zu verdienen», kritisierte die Abgeordnete Cynthia McKinney diese Machenschaften. «Was wusste unsere Regierung über die Ereignisse des 11. September, und ab wann wusste sie es?» McKinney, die für Georgia im Repräsentantenhaus sass, erklärte, es sei verwerflich, dass Insider sich bereicherten, anstatt die Menschen zu warnen. «Wer sonst wusste etwas, und warum haben sie die unschuldigen Menschen in New York, welche ohne Grund ermordet wurden, nicht gewarnt?» Ihre Fragen blieben ungeklärt.

Sprengung von WTC7

«Vorgefasste Schlussfolgerung»: «Ground Zero» in New York nach 9/11- Weltwoche Nr. 38.19 Bilder: imago (Future Image), Andrea Booher (FEMA)
FPJ: Der Einsturz des World Trade Centers 7

Die meisten Menschen glauben, beeindruckt durch die Fernsehbilder, dass am 11.September 2001 in New York nur zwei hohe Türme eingestürzt sind. Aber das stimmt nicht, es waren drei, nämlich die bekannten, über 400 Meter hohen Zwillingstürme WTC1 und WTC2 sowie das 186 Meter hohe WTC7. Im Unterschied zu den Zwillingstürmen war WTC7 zuvor nicht durch ein Flugzeug getroffen worden. Trotzdem stürzte die massive Stahlskelettkonstruktion in nur sieben Sekunden um 17.20 Uhr ein. Das war mysteriös. «Bis heute ist der Einsturz von WTC7 ein ungelöstes Rätsel», erklärte die New York Times ein Jahr nach dem Terroranschlag, «weil vor diesem Tag in den USA noch nie ein Hochhaus aus Beton und Stahl wegen Feuer kollabierte.» Der Einsturz von WTC7 setzte plötzlich ohne erkennbare Vorzeichen ein und erfolgte vollständig in den eigenen Grundriss. Dies kann nur zwei mögliche Ursachen haben: Feuer oder kontrollierte Sprengung. Während der ersten zweieinviertel Sekunden stürzte der Turm mit seinen 47 Stockwerken im freien Fall, also ohne jeden Widerstand, nach unten. Das Hochhaus WTC7 bewegte sich auf seiner gesamten Breite genauso schnell nach unten wie ein Fallschirmspringer ohne Fallschirm, der vom Dach des Gebäudes springen würde. Wie ist das möglich? WTC7 war ein sehr solider Stahlskelettbau mit insgesamt 81 starken senkrechten Säulen, 57 verliefen entlang der Aussenseiten, 24 Säulen bildeten den Kern. Wie kann ein Stahlskelettbau mit solch vielen starken senkrechten Stahlsäulen plötzlich frei fallen?

Zu dieser wichtigen Frage wurde jetzt, achtzehn Jahre nach dem Terroranschlag, die Antwort gefunden. Am 3.September 2019 hat der US-Bauingenieur Dr. Leroy Hulsey von der University of Alaska Fairbanks eine 114 Seiten lange, fundierte Studie zum Einsturz von WTC7 veröffentlicht, welche von Architects & Engineers for 9/11 Truth in Auftrag gegeben worden war. Die Hulsey-Studie kommt nach vier Jahren Untersuchung zu einem klaren Ergebnis: «Feuer hat den Einsturz von WTC7 nicht verursacht. Der Einsturz des Gebäudes kann nur durch das praktisch gleichzeitige Versagen aller Säulen erklärt werden», so der Bericht. Obschon das Wort «Sprengung» im Bericht nirgends vorkommt, ist der Befund von Hulsey eindeutig und überzeugend: WTC7 wurde gesprengt.

In den Medien wird bis heute nur wenig über WTC7 gesprochen. Die BBC-Journalistin Jane Standley, die am Tag der Anschläge live aus New York über den Einsturz von WTC7 berichtete, sorgte damals für Verwirrung, weil sie den Einsturz zwanzig Minuten zu früh vermeldete, während das Gebäude noch stand. «Das war ein Fehler», räumte Standley 2008 ein.

In wenigen Sekunden eingestürzt: WTC7

Ich arbeitete damals an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik der ETH Zürich und kontaktierte 2006 erfahrene ETH-Dozenten für Baustatik und Konstruktion. «Nach meiner Meinung ist das Gebäude WTC7 mit grosser Wahrscheinlichkeit fachgerecht gesprengt worden», erklärte mir Hugo Bachmann, emeritierter ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion. Auch Jörg Schneider, ebenfalls emeritierter ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion, deutet die vorhandenen Daten so, dass «das Gebäude WTC7 mit grosser Wahrscheinlichkeit gesprengt wurde». Diese Aussagen werden nun durch den Hulsey-Bericht von der Universität Alaska bestätigt.

Die Sache mit Stahlträger A2001

In den USA ist die Debatte über WTC7 schwierig. In der von Präsident Bush in Auftrag gegebenen Untersuchung wurde das Gebäude ignoriert. Im Abschlussbericht zum Terroranschlag von Thomas Kean und Lee Hamilton, der am 22.Juli 2004 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, bleibt der Einsturz von WTC7 unerwähnt. Dieser Bericht kann daher nicht ernst genommen werden, da nicht einmal die Anzahl der eingestürzten Hochhäuser stimmt.

Später hat die US-Regierungsbehörde National Institute of Standards and Technology (NIST) in einem anderen Bericht, der am 21.August 2008 publiziert wurde, behauptet, WTC7 sei wegen Feuer eingestürzt. Der Hulsey-Bericht zeigt nun, dass dies nicht die Wahrheit ist. NIST-Untersuchungsleiter Sivaraj Shyam-Sunder kam damals zum Schluss, dass beim Einsturz des Nordturms WTC1 um 10.28 Uhr Trümmerteile auf das 110 Meter entfernt gelegene WTC7 gefallen seien und dort Bürobrände ausgelöst hätten. Das war tatsächlich der Fall. Doch die Behauptung von Sunder, dass sich daraufhin der horizontale Stahlträger A2001 ausdehnte und von seiner Halterung an der Säule 79 sprang, entspricht nicht der Wahrheit. Der Hulsey-Bericht zeigt überzeugend, dass der Stahlträger A2001 niemals von der Säule 79 abrutschen konnte, das war nicht möglich. Der Träger war fest verschraubt, und auch Feuer konnte ihn nicht aus seiner Halterung schieben.

Der US-Mathematiker Peter Michael Ketcham, der von 1997 bis 2011 am NIST gearbeitet hatte, aber nicht an der WTC7-Untersuchung beteiligt gewesen war, hat im August 2016 angefangen, sich mit den NIST-Berichten auseinanderzusetzen. «Ich wurde schnell wütend. Erstens über mich selber: Wie konnte ich so viele Jahre am NIST arbeiten und dies nicht bemerken? Zweitens wurde ich wütend über das NIST», erinnert sich der Mathematiker Ketcham. «Je länger ich nachforschte, desto klarer wurde mir, dass das NIST eine vorgefasste Schlussfolgerung präsentierte und dafür die Fakten ignoriert und weggelassen hat.»


Daniele Ganser ist ein Schweizer Historiker. Er leitet das von ihm gegründete Swiss Institute for Peace «Vorgefasste Schlussfolgerung»: «Ground Zero» in New York nach 9/11. and Energy Research (SIPER) in Basel.

© images publicintelligence

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