Das Kapital kontrolliert die Welt

Trotz der Komplexität des Themas hat Jens Berger das Wesen und vor allem die einschneidenden Veränderungen des weltweiten Finanzsystems in den vergangenen Jahrzehnten treffend und mit einem lesbaren Stil beschrieben. Im Kern hat es eine zuvor nie da gewesene Konzentration an Kapital und damit wirtschaftlicher und politischer Macht in so wenigen Händen gegeben. Allen voran in denen der weltweit größten Finanzkonzerne BlackRock, Vanguard und State Street. Diese drei genannten US-Unternehmen verwalten insgesamt ein Anlagevermögen von 20 Billionen US-Dollar, was etwa 3.000 Dollar pro Erdenbewohner entspricht. Der Großteil dieses Geldes ist in Aktien angelegt. „Bei den 500 größten US – Aktiengesellschaften … stellen die großen Drei schon mehrheitlich den oder einen der größten Anteilseigner. Zusammen kommen sie hier im Schnitt nach aktuellen Berechnungen … auf eine Beteiligung von 20,1 Prozent. Bei den 30 größten Unternehmen, die im Dow Jones gelistet sind, sind es im Schnitt 18,5 Prozent.“ (Kapitel „Big in USA“)

Vor allem seit der weltweiten Finanzkrise 2008, die ihren Auslöser in den USA hatte, haben die genannten Finanzkonzerne ihre Anteilsmacht auch in Europa wesentlich erweitert. Blackrock ist beispielsweise mittlerweile bei jedem zweiten der 30 größten im Deutschen Aktienindex gelisteten Unternehmen der größte Anteilseigner, maßgebliche Beteiligungen halten die großen Drei eh an allen Dax-Unternehmen. Die Konzerne selbst stellen innerhalb der Wirtschaft und Politik Deutschlands und der EU einen, wenn nicht den entscheidenden Machtfaktor da. Und selbstverständlich sind diejenigen, welche über ihre entscheidenden Konzernbeteiligungen diese wiederum steuern, bei genauem Hinsehen die eigentlichen Herrscher im Hintergrund.

„Noch nie war so viel Macht in den Händen so weniger!“ – Jens Berger im Gespräch

Anhand einer Vielzahl von Beispielen und Entwicklungen wie der Monsanto-Übernahme durch den ursprünglich deutschen Konzern Bayer wird wohl jedem Leser klar, wie berechtigt die Frage des Autors im Buchtitel ist: »Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?« Im Folgenden werde ich einige Kernaussagen des Buches aufgreifen und sie mit eigenen Schlussfolgerungen präsentieren, denn es erscheint mir dringend notwendig, Konsequenzen zu ziehen aus den gewonnenen Erkenntnissen. Vor Jahren bereits hat der Multimilliardär Warren Buffet das Verhältnis des Finanzkapitals zu den Menschen auf den Punkt gebracht: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

Jawohl, wir befinden uns im Krieg

  • Und zwar in einem Krieg, bei dem es nie eine offene Kriegserklärung gab, der aber dennoch tagtäglich stattfindet. Und wie der Autor ebenfalls festhält im Kapitel „… der Elefant im Raum“ haben in den vergangenen 20 Jahren die Globalisierungsgegner den Krieg gegen den Konzernkapitalismus verloren: „Noch bitterer ist jedoch, dass der Sieg der Finanzkonzerne heute zwar allgegenwärtig ist, aber dennoch auf keine nennenswerte Kritik mehr stößt; er wird, was wohl am bittersten ist, noch nicht einmal wahrgenommen.“
  • Beim Krieg ist doch die entscheidende Frage, wer die Waffen des Gegners am effektivsten ausschaltet, um den Krieg zu gewinnen. Warum schützen wir uns nicht, indem wir dem Gegner, also den Finanzkonzernen ihre Waffen aus der Hand schlagen, sie schlicht und einfach vernichten?
  • Die alles entscheidende Waffe in den Händen derer, die uns diesen Krieg aufgezwungen haben, ist ihr Aktienkapital. Wann raffen wir uns endlich auf und schließen die deutsche Börse, erklären jeglichen Anteilsanspruch resultierend aus Aktien an Unternehmen in Deutschland für wertlos, indem wir sie ins Eigentum derer überführen, welche die Arbeit machen, statt sich an ihr bloß zu bereichern?
  • Warum setzen wir nicht endlich die Erkenntnis, dass das System der Indexfonds und vieler weiterer „Finanzprodukte“ zwangsläufig zu weltweiten Crashs und Vernichtung von Gespartem für Kleinanleger führen muss, in Taten um? Wenn die Finanzkonzerne eh das Kapital vernichten werden, was sie sammeln (siehe der Hinweis auf die späte Erkenntnis des Gründers von Vanguard, Nummer zwei der Finanzkonzerne nach BlackRock), dann kann unsere Reaktion nur sein, ihnen das Kapital in dem Raum aus den Händen zu nehmen, wo wir wenigstens noch einige demokratische Rechte übrig haben, nämlich in unserem Staat Deutschland.
  • Unsere Kriegsgegner benutzen Grenzen als Waffen, ganz nach ihrem Belieben. Wenn sie über ihre Handlanger in parlamentarischen Gremien in den USA Gesetze verabschieden, die für unser Land gelten sollen (betreffend Northstream etc.), dann kennen sie keine Grenzen. Wenn es um die Berichterstattung über Streiks unserer französischen Nachbarn geht für den Erhalt von Renten- und anderen Rechten gegen das Schleifen eben dieser Rechte durch den Handlanger unserer Kriegsgegner namens Macron, dann errichten sie Grenzen für die Berichterstattung. Dazu nutzen sie ihre über ihr Werkzeug Atlantikbrücke eingesetzten Sprachrohre in den Medien Tagesschau, Tageszeitungen, etc…
  • Wenn wir ihnen ihr Werkzeug des Aktienkapitals aus der Hand nehmen wollen, werden ihnen natürlich all diejenigen in Parteien und Verbänden zu Hilfe eilen, welche sie über ihre von uns unfreiwillig bezahlten Stiftungen und NGOs in eben diesen Parteien strategisch klug von langer Hand geplant und umgesetzt in Führungspositionen geschleust haben.
  • Es wimmelt von trojanischen Pferden in unserem parlamentarischen System, aber noch ist ein Rest Souveränität vorhanden. Wenn wir, die ganz normalen Menschen einer Verteidigungsbewegung gegen unsere Kriegsgegner mehrheitlich durch Wahlen zum Sieg verhelfen, haben wir noch eine kleine Chance.
  • Natürlich werden sie sagen, das, was wir zu unserer Verteidigung wollen, verstößt gegen EU-Recht. „Dummerweise ist jedoch gerade die EU-Kommission ein ganz besonderer Hort für die Lobbyisten der Finanzkonzerne.“ schreibt Jens Berger richtigerweise im Kapitel „… der Elefant im Raum“.
  • Eine der schärfsten Waffen in den Händen unserer Kriegsgegner ist diese Europäische Union. Sie wurde und wird genutzt, um die Produktivitätssteigerungen in den Mitgliedsländern umzulenken, weg von den Menschen, welche arbeiten, hin zu unseren Kriegsgegnern, welche sich an der wachsenden Produktivität bereichern und sie in ihre eigenen Taschen umlenken.
  • Will tatsächlich irgendjemand ernsthaft bestreiten, dass genau diese EU in den vergangenen Jahrzehnten von unseren Kriegsgegnern als Waffe genutzt wurde, um sich die Verfügungsgewalt über Unternehmen und ganze Volkswirtschaften in immer mehr Ländern unter den Nagel zu reißen?
  • Hat nicht die Bevölkerung, aus der seit dem ersten Tag des Bestehens der EU bis heute ständig die meisten Steuergelder herausgeholt wurden, um sie in die Taschen der Finanzkonzerne umzulenken, endlich die Pflicht, zu sagen bis hierher und nicht weiter?
  • Es ist nicht möglich, alle Menschen weltweit, welche von unseren Kriegsgegnern beherrscht werden, zur gleichen Zeit davon zu überzeugen, dass sie sich wehren müssen, um zu überleben. Wir müssen uns auf den Raum konzentrieren, der für uns noch einigermaßen überschaubar ist und wo noch gewachsene Strukturen da sind, welche unsere Kriegsgegner noch nicht komplett zerschlagen haben. Ich meine den Nationalstaat. Es herrscht Klassenkrieg, hat Warren Buffett geäußert, „und wir gewinnen“ war seine Überzeugung. Mit „wir“ meinte er die Superreichen, ich dagegen meine, dass die Klasse der ganz normalen Menschen leider jede Menge Schlachten verloren hat, den Krieg aber immer noch gewinnen kann. Wir „normalen“ Menschen können nicht nur gewinnen, wir müssen, um zu überleben. Denn die Zeichen am Horizont sind äußerst besorgniserregend. Unsere Kriegsgegner, so scheint mir, haben erkannt, dass sie mit ihrer Art des Krieges auf den ultimativen Crash und damit die Vernichtung ihres eigenen Vermögens zusteuern. Ihr Heil sehen sie, wie immer in solchen Situationen in der Geschichte, in der Expansion, im heißen Krieg, mit dem sie sich die Werte der Teile der Welt aneignen wollen, die noch nicht ihrer Herrschaft unterworfen sind. Dafür sollen in diesem Jahr, zumindest zum Test, schon mal tausende von Fahrzeugen mit Kriegsgerät durch Deutschland gen Osten rollen und Manöver an den Grenzen zu Russland stattfinden.
  • Wir, die ganz normalen Menschen, haben nur eine Chance, ihn zu beenden, nämlich indem wir den Finanzkonzernen ihre Macht nehmen, so wie oben beschrieben!

© post/header image Johannes Plenio auf Pixabay

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