AfD – Adel für Deutschland?

Der Adel im Hintergrund von Politik und Wirtschaft webt sein Netz der Intrigen wie seit hunderten von Jahren. Und auch die AfD scheint mehr als eine Alternative für den Adel zu sein.

Wo hat der historische Adel seine politische Heimat? Jobst Graf von Wintzingerode sucht in seinem Essay eine Antwort auf diese Frage.

Wenn eine hochherrschaftliche Hochzeit in den Medien übertragen wird, versammeln sich Millionen von Menschen vor den Fernsehern, um dem märchengleichen Jungmädchentraum zu folgen, von einem Prinzen erwählt worden zu sein. Und wenn es eine Braut aus dem Volk ist, die dort geehelicht wurde, fließen die Tränen der Rührung in breiten Bächen. Dabei gibt es ihn in unserem Land gar nicht mehr, den Adel. Bereits in den Gesetzen der Weimarer Republik wurden dem Adel alle Privilegien und Vorrechte genommen. Wen wundert es, dass es auch der entmachtete Adel war, der den Aufstieg der NSDAP finanzierte und förderte. Das Ziel war es, die jungen, demokratischen Strukturen zu destabilisieren und das feudale Herrschaftsrecht durch die Hintertür erneut einzuführen. Dazu war der Umsturz notwendig. Und Adolf Hitler war der richtige Mann, um diesen Umsturz anzuführen.

Am 21. März 1933 feierten die Nationalsozialisten den Schulterschluss mit den alten monarchistischen Kräften. Die Bilder vom greisen Reichspräsidenten Hindenburg und dem neuen Reichskanzler Hitler sollten das Regime zusätzlich legitimieren. Noch...

Das strenge Erbrecht des Adels zwang traditionell einen Teil der Nachkommenschaft in militärische oder kirchliche Versorgungskarrieren. Durch die Unterstützung des Adels, stand auch die Riege der Offiziere und damit das Militär auf der Seite Hitlers. Auch von kirchlicher Seite erfolgte aus dem gleichen Grunde kein Widerstand gegen die putschende NSDAP. Hitler sollte zum Wegbereiter des wiedererstehenden Feudalismus werden. Als wären die Zeiten vor Weimar auferstanden, ging das Haus Hohenzollern als gern gesehener und tief hofierter Gast bei Hitler ein und aus. Jeder von uns lernte im Geschichtsunterricht die Namen jener Offiziere kennen, die sich der Verbrechen an der Menschlichkeit schuldig machten. Darunter viele adelige Namen. Natürlich gab es auch Widerstand, der von leider viel zu wenigen Adeligen organisiert wurde. Wir alle feiern deren Heldenmut, wenn sich deren Jahrestage nähern. Aber, können wir sicher sein, dass diese Anschläge der Rückkehr zur Demokratie dienen sollten, oder war es womöglich der nächste, logische Schritt auf dem Weg zur Feudalherrschaft. Der im Adel übliche Königsmord, um selbst nach der Krone zu greifen? Im Nachhinein läßt sich so etwas nur schwer einschätzen.

Wir finden auch in der aktuellen Politik der Volksparteien Namen von Rang und Adel, und auch hier fallen sie nur selten durch besondere Gesetzestreue und soziale Glanzleistungen auf. Jahrzehntelang schien es jedoch, als habe sich der Adel damit abgefunden, dass er entmachtet wurde und im Grundgesetz die Demokratie als unumstößliche Gesellschaftsform festgeschrieben wurde. Wir fanden deren Familiennamen vermehrt in Industrie, Banken und dem internationalen Handel. Wo es gilt, leichtes Geld zu scheffeln, sind sie zu finden, die Herrschaften aus altem hohen Hause. Es ist nicht verwunderlich, dass sich das Kapital zu einem System feudalherrschaftlicher Diktatur wandelt und die demokratischen Basissysteme der sozialen Gerechtigkeit destabilisieren.

Nach Beatrix von Storch engagiert sich nun eine weitere bekannte Frau mit adligem Namen in führender Rolle in der AfD: Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein. Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe bezeichnet sie als „parasitär“.

Der Finanzadel, setzt sich immer häufiger aus Adelsgeschlechtern zusammen. Für uns soziale Demokraten muss sich die Frage gestellt werden, ob es hier einen Plan geben könnte, der undemokratische Strukturen dadurch unterstützen soll, dass die Grundpfeiler der Demokratie destabilisiert werden. Da passt es gut ins Bild, dass sich ausgerechnet jener Adel bei der AfD ansiedelt, dem man rechtsradikale Verbindungen nachsagt. Zwar wird dort heftig ausgemistet, wenn einer dieser hochgeborenen in die Schlagzeilen der Skandalpresse kommt, aber es gibt genug von ihnen. Auch ist es nicht immer sofort am Namen ersichtlich, ob es sich um eine Person alten Adels handelt, oder nur um einen bürgerlichen Namen. Dies wird nur jenen transparent, die sich im Zuge von Namens und Adelsforschung mit dem Thema beschäftigen.

AfD – ein Anziehungspunkt für Adelige
Blaublütige in den Reihen der AfD: Beatrix von Storch ist geborene Herzogin von Oldenburg, stammt aus bestem deutschen Nazi-Adel, ihr Großvater Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk war Hitlers Finanzminister.

Bis heute bleiben viele Fragen offen, wenn es um die AfD geht. Fakt ist, sie ist eine Partei, die demokratisch gewählt wurde und bisher keinen Anlass bot, sie zu verbieten. Aber wir haben guten Grund, genau zu beobachten, ob die adeligen Kontakte in den Militärbereich und auch in die Waffenindustrie nicht ein Teil dessen sein könnten, was der Adel benötigte, um einen Umsturz herbeizuführen, der notwendig wäre, den Artikel der Verfassung zu beseitigen, der den Feudalismus auf ewig aus unserer Gesellschaft verbannt. Es könnten viele Zahnräderchen ineinandergreifen, um unsere Gesellschaft zu destabilisieren, wie einst vor der Machtergreifung der NSDAP. Zur Zeit gibt es zahlreiche Hinweise welche diesen Verdacht erhärten. Jede auf Langfristigkeit ausgelegte Demokratie benötigt faire Wirtschaftskreisläufe. Jedoch agiert unser derzeitiges Modell nahezu ohne politische Steuerung, als gäbe es kein Morgen zu berücksichtigen. Es kann sich nicht nur um stupide Aktivitäten des Unvermögens handeln, da in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem auch Wissenschaftler mitwirken, die unüberhörbar davor warnen, dass sich das System gerade selbst hinrichtet.

Ein Schelm, wer da den Gerüchten glaubt, dass auch das Haus Hohenzollern wieder von einstigem Glanz und Gloria träumt.


© foto imago/Jürgen Heinrich

1 Gedanke zu “AfD – Adel für Deutschland?”

  1. Danke für den Kommentar. Ob es viele im Adel sind die sich zur AfD hin gezogen fühlen kann eigentlich nur die Menschen stören die auch in ihren Forschungen rausbekommen ob und wie sie verwandt sein könnten . Jeder normale Mensch hat seine Einstellung sowie auch Herr Gregor Gysi der seine Verwandschaft nicht wirklich erwähnt so wie auch viele andere . Aber wachsam müssen wir alle sein.

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